
Die größte präkolumbianische Steinkugel
Autor Carlos Humberto Morales Barrantes
Wenn sie jemals das Kanton Osa an der Pazifikküste im sonnigen Süden Costa Ricas besucht haben, dann haben sie bestimmt von den “esferas” gehört, die man dort vorfindet. Steinerne Artefakte in Kugelform, die von großer Bedeutung sind, sowohl als wiederkehrende, markante Objekte in der Landschaft, als auch in der Kultur und der Identität der Ureinwohner in der Region Osa. Die Steinkugeln von Osa sind Gebilde von großer archäologischer Relevanz und das kulturelle Erbe der Diquis, eines zu präkolumbianischer Zeit, dort beheimateten indigenen Stammes. Sie erschufen die Steinkugeln einst als symbolisches Artefakt, nutzten die Kugeln als Ritualstätte und, so viel weiß man heute, auch als unverrückbares Statussymbol.
In diesem Sinne ist auch die Tradition der Steinkugeln vor allem als Versinnbildlichung der eigenen Macht zu verstehen. So finden sich auf dem Gelände der archäologischen Ausgrabungsstätte “El Silencio” Steinkugeln von einigen wenigen Zentimetern-, bis zu zwei Meter im Durchmesser umfassende steinerne Ausdrücke verblasster Macht.
Die größte bisher gefundene Kugel misst 2,66 Meter im Durchmesser und wiegt beeindruckende 26 Tonnen.
Sie befindet sich im Dequis Delta am Fuße eines Hügels auf dem Gebiet der Ausgrabungsstätte und ist verbunden mit einer Skulptur, konstruiert nur mit Steinen aus dem angrenzenden Fluss Terraba.
Die außergewöhnlichen Dimensionen des steinernen Gebildes erklären sich archäologisch durch den Fundort, den damit verbundenen kulturellen Kontext und der Herstellungsweise dieser imposanten Steinkörper.
Das Fundobjekt steht daher im Besonderen für die symbolische und spirituelle Funktion, welche die Steinkugeln in präkolumbianischer Zeit inne hatten. Wichtige soziale, spirituelle und kulturelle Werte wurden durch sie in einem zeremoniellen Ritual auf die Bewohner der jetzigen Ausgrabungsstätte übertragen.
Besonders hervorzuheben sind das organisatorische Talent und die handwerklichen Fähigkeiten die, die Erbauer dieses erstaunlichen steinernen Riesens benötigten, um es zu realisieren. Um ein solches Objekt fertigstellen zu können, brauchte es neben dem technologischen Know-How und der handwerklichen Kunstfertigkeit, auch das Wissen um den Transport der tonnenschweren steinernen Ausgangsstoffe. Dazu benötigte es oft die Hilfe der gesamten Gemeinschaft.
In diesem Fall waren die guten Ausgangsbedingungen des Ortes ausschlaggebend für die Wahl des Standortes der riesigen prähistorischen Steinkugel.
Im angrenzenden Gelände fand man bei Ausgrabungen noch steinerne Werkzeuge und andere Hilfsmittel, welche zur Anfertigung benutzt wurden.

Die gigantische Steinkugel ist Teil der archäologischen Ausgrabungsstätte “El Silencio”. Zusammen mit Finca 6, Batambal und Grijalba 2, ist sie 2014 unter der Bezeichnung “Präkolumbianische Häuptlingsbauten mit historischen Steinkugeln der Diquis Indianer” von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden.
Besuchen kann man derzeit allerdings nur den Ausgrabungsort Finca 6, der auch ein Besucherzentrum besitzt. Das Museum zu Finca 6 ist nur einige Kilometer von Palmar Norte entfernt, in Wegrichtung nach Sierpe. Geöffnet ist das Besucherzentrum von Dienstag bis Sonntag von 8.00 Uhr morgens bis 14.00 Uhr nachmittags. Der Eintritt beträgt etwa 7000 Colones für Nicht Einheimische. Studenten gewährt man einen Rabatt von 2000 Colones. Der Studentenausweis muss mitgeführt werden!
Das Museum hat keine Kosten und Mühen gescheut, um den Besuch auch unter Anbetracht der weltweiten Pandemie Lage so sicher und hygienisch wie möglich zu gestalten. Kommen sie vorbei und bestaunen sie das imposante Erbe der indigenen Diquis. Wenn sie mehr über die Ausgrabungsstätte “El Silencio” und die beeindruckenden, prähistorischen Steinkugeln erfahren möchten, dann besuchen sie gerne die Website: www.diquis.go.cr.
Dort können sie bequem von zu Hause einen Blick auf die steinernen Riesen werfen und live dabei sein, wenn sich ausgewiesene Experten um die Restauration der Steinkörper kümmern.
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